Die neue Dauerausstellung Archäologie im Schlossmuseum Linz umfasst rund 750 m² und sieben Räume. Für MARCH GUT liegt der gestalterische Ausgangspunkt in der Archäologie selbst: Vergangenes ist nie vollständig vorhanden, sondern wird über Funde, Spuren und wissenschaftliche Interpretation erschlossen. Dieses Verhältnis von Original, Kontext und Rekonstruktion prägt die räumliche Dramaturgie der Ausstellung. Ein eigens entwickeltes Vitrinen- und Präsentationssystem schafft dabei eine gemeinsame Grundstruktur, die sich je nach Inhalt verändert und neu zusammensetzt.
Bereits der Einstieg arbeitet mit Wahrnehmung und Kontrast. Vom hellen Innenhof führt der Weg in die vollständig dunkle Schatzkammer. Die Augen müssen sich anpassen, bevor sechs zentrale Objekte aus der Dunkelheit hervortreten. Projizierte archäologische Fund- und Objektzeichnungen lösen sich von ihrer dokumentarischen Funktion und werden Teil des Raumes. Die Vergangenheit erscheint zunächst fragmentarisch und nähert sich erst über Objekt, Zeichnung und zeitliche Einordnung an. Taktile Stationen erweitern dieses Prinzip um eine haptische Ebene.
Im Methodenraum verändert sich die Gestaltung von der atmosphärischen Verdichtung zur Systematik eines Depots. Dichte, Reihung und unterschiedliche Vitrinenformate machen das Ordnen und Erforschen zum räumlichen Prinzip und zeigen Archäologie als Prozess der Wissensgewinnung.
Die drei UNESCO-Welterbestätten Pfahlbauten, Hallstatt und Donaulimes übersetzen ihre jeweiligen Themen in eigenständige räumliche Setzungen. KI-generierte Bilder der Pfahlbauten thematisieren die Grenze zwischen Wissen und Annahme. In Raum Welterbe Hallstatt wird die Vitrine selbst zum abstrahierten Grabhügel und damit Teil der Erzählung. Am Donaulimes bildet der Flusslauf ein Raster auf niedriger Ebene, darüber liegen Originalfunde und 3D-gedruckte Modelle möglicher Gebäuderekonstruktionen. Fundort, Original und Interpretation werden räumlich geschichtet.
Im Römischen Linz wechseln die Maßstäbe zwischen Stadt und unmittelbarer Raumerfahrung. Die Kartierung aller bekannten römischen Fundstellen verbindet die Funde mit dem heutigen Linz, während die Nachbildung eines Tempels mit Opferstein und gedämpftem Licht einen konzentrierten, atmosphärischen Raum innerhalb der Ausstellung bildet.
Gregor Graf
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